Gemeinsam - schreiben wir ein Tagebuch. Mit Geschichten, Gedanken, Briefen, Humor, Satire, aber auch mit Ernsthaftigkeit oder Traurigkeit. Jeder, der möchte, der etwas zu sagen hat oder dem einfach nur langweilig ist, kann mitschreiben. Hinterlasst euren Beitrag einfach als Kommentar oder schickt ihn per Email an uns. Euer Locus Pocus - Kultur in Europa Team.
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Auf Reisen mit einer Traumfrau (Arbeitstitel)

Do 25. Aug 2005, 19:52

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"Sag mal, wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass ausgerechnet ich das Benzin holen soll. Wenn du meinst, dass ich bei dieser Hitze die ganze Strecke wieder zurücklaufe, dann hast du dich aber getäuscht, mein Lieber!"
"Wieso denn nicht? Du willst doch sonst auch immer die Erste sein."
"Jetzt geht dieser Mist wieder los. Ich hätte liebend gerne auf dich und deine herablassende Art verzichten können. Du wolltest doch mitkommen. Ich habe dich um nichts gebeten."
"Das hättest du wohl gerne. Wenn es nach dir ginge, dann säße ich immer noch in Deutschland und würde dir die ganze Geschichte hier bereitwillig überlassen."
"Das kannst du aber glauben. Ich brauche dich bestimmt nicht. Gib den blöden Kanister schon her. Es ist sowieso besser, wenn ich gehe. Bis du eine Tankstelle gefunden hättest, da wäre ich hier längst verdurstet."
"Da hast du ihn. Ich will nur hoffen, dass du auch zurückkommst und mich hier nicht hängen lässt."
"Tja, hoffen, kann man immer. Das wirst du dann schon sehen."

Es war schon dunkel, als er die hell erleuchtete Eingangshalle des Hotels betrat. Er würdigte die anderen Gäste, die sich zu dieser späten Stunde noch in der Lobby aufhielten, keines Blickes und ging, geradewegs, in die Bar. Und wie er es nicht anders erwartet hatte, da saß sie. Mit ihren etwas abstehenden kleinen kecken Ohren und ihrem übernatürlich gepflegten blonden Haar, das zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war. Sie hatte es sich auf einem Barhocker an der Theke gemütlich gemacht und flirtete mit einem dieser gut aussehenden, braun gebrannten Machotypen.
Das Einzige, an das er in diesem Moment denken konnte, war das Gefühl der tiefen Befriedigung, welches nur ein kleiner Junge verspüren konnte, wenn er ein freches Mädchen, das ihn zuvor gehänselt hatte, an dessen Zöpfen zu fassen bekam.
Und jetzt sah er diesen gepflegten blonden Pferdeschwanz vor sich. Wie er, bei jeder ihrer Kopfbewegungen, leicht hin und her tänzelte. Langsam näherte er sich ihr von hinten und hob vorsichtig seine Hände, als sie sich plötzlich zu ihm umdrehte. Verschämt ließ er die Arme sinken. Und blickte etwas enttäuscht, so wie ein Kind, dessen Streich misslungen war, unter sich. Sie hingegen hob ihren Kopf noch ein bisschen höher, als sie ihn ohnehin normalerweise schon trug und ihr Gesicht strahlte nur so vor Lebensfreude.
"Hi Darling, da bist du ja. Wo warst du denn bloß so lange? Wir haben uns schon richtig Sorgen um dich gemacht. Nicht wahr, Paulo? Ach, wie dumm von mir. Ihr kennt euch ja noch gar nicht. Das ist Paulo. Er hat mir etwas Gesellschaft geleistet, während du dich um dein kaputtes Auto gekümmert hast. Paulo, darf ich vorstellen, mein Partner Peter."
"Olá Peter, schön sie kennen zu lernen. Ihre Partnerin erzählte mir gerade, dass sie etwas Pech mit ihrem Wagen hatten und sie auf dem Weg in die Berge liegengeblieben sind. Heute war wirklich kein guter Tag für eine Panne. Die Sommerhitze kann einem hier, im Hinterland, schon richtig zu schaffen machen. Was hat ihrem Auto denn gefehlt?"
Peter verzog seine trockenen Lippen zu einem gequälten Lächeln. Er setzte sich zwei Barhocker entfernt, von dem vergnügten Pärchen, an die leere Theke und sagte mit resignierender Stimme:"Benzin, Paulo. Nur Benzin."

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Do 25. Aug 2005, 19:52

So 28. Aug 2005, 18:41

... und so wurde Peter zum Benziner. :trink4

Aber im ernst: Irgendwie schaffst du es immer wieder, aus einem Thema, was auf den ersten Blick gar nichts herzugeben scheint, eine Story zu basteln, die sich auch noch unterhaltsam liest.

Gefällt mir wirklich gut!

Auf Reisen mit einer Traumfrau ( Arbeitstitel) 1/2

Do 8. Sep 2005, 19:57

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Am nächsten Morgen wurde Peter durch ein lautes Klopfen an die Zimmertür geweckt. Vom offenen Fenster her, konnte er die vergnügten Schreie der Kinder hören, die sich im Schwimmbad des kleinen Hotels, das zum Fuße der Serra da Monchique gelegen war, tummelten. Noch schlaftrunken, richtete er sich in seinem Bett auf.
"Ja. Wer ist denn da?"
"Ich bin es, Susanne. Wir müssen los. Aber wenn du heute keine Lust hast, dann kannst du mir auch die Autoschlüssel geben und ich fahre alleine."
"Nach der Nummer, die du gestern abgezogen hast, da sollte ich eigentlich überhaupt nicht mehr mit dir reden. Ich habe 5 Stunden, bei 40° Grad im Schatten, auf dich gewartet. Das werde ich dir nicht so schnell vergessen. Und ich glaube, dass du keine Vorstellung davon hast, wie Dunkel es hier werden kann, wenn man nachts durch die portugiesische Pampa latschen muss und keine Ahnung hat, in welche Richtung man gehen soll."
"Ich finde, du siehst das alles zu negativ. Ich wollte ja mit dem blöden Benzin zurückkommen, doch dann hat meine Agentur hier im Hotel angerufen und ich musste alle möglichen Dinge abklären. Ein paar wichtige Telefonate führen und so weiter. Schließlich habe ich ja, im Gegensatz zu dir, noch ein Geschäft zu leiten. Und als ich dann mit meinen Telefonaten fertig war, da war es schon fast dunkel und ich dachte, dass du schon irgendwie klarkommen würdest. In deinen Büchern fällt dir ja auch immer was ein, wenn deine Helden in der Klemme stecken."
"Sehr witzig. Ich weiß ja, dass du meine Bücherschreiberei als Zeitverschwendung ansiehst, aber deine Agentur kann man ja auch wohl kaum als Geschäft bezeichnen, bei den zwei Kunden, die du hast."
"Also, was ist jetzt? Kommst du nun oder muss ich Paulo fragen, ob er mich in die Berge fährt?"
"Von mir aus kann dich dein Paulo nach China fahren. Erst mal werde ich jetzt zum Frühstück gehen."

Sie befuhren schon einige Zeit eine schmale Landstraße, die sich in leichten Serpentinen bergauf schlängelte. Peter war froh, dass ihr Mietwagen eine Klimaanlage hatte, denn er konnte auf der Anzeige des Außenthermometers erkennen, dass die Temperatur wieder auf die 40° Grad zuging. Susanne saß mit einer Modeillustrierte in der Hand, lesend, neben ihm. Sie hatte seit der Abfahrt vom Hotel kein Wort mehr mit ihm gesprochen. Ihm war das nur recht. Ihr ständiges Gemecker und ihre Besserwisserei konnten einem schon den letzten Nerv rauben. Vielleicht hatte sie ja auch ein schlechtes Gewissen, weil sie ihn gestern hängen gelassen hatte. Aber wenn er es sich genau überlegte, da war es doch wohl eher unwahrscheinlich, dass sie zu so etwas wie Reue fähig war. Das war sicher bloß wieder Taktik von ihr. Sie wusste, dass sie ihm mit der Benzingeschichte ziemlich zugesetzt hatte und wollte den Bogen wohl nicht gleich wieder überspannen. Denn egal wie oft sie auch betonte, dass sie gut ohne ihn auskäme, in Wahrheit brauchte sie ihn, wenn sie das Weingut verkaufen wollte.
Zu gleichen Teilen sollte das Erbe zwischen ihr und ihm aufgeteilt werden, so hatte es bei der Testamentseröffnung geheißen. Das musste vielleicht ein Schock für sie gewesen sein. Schließlich dachte sie, dass der alte Mann ihr vollkommen verfallen gewesen wäre und sie die Einzige sein würde, die von seinem Tod profitieren könnte.
Doch dann kam eine Überraschung nach der anderen. Das Geld auf dem Schweizer Bankkonto war aufgebraucht, die Mietshäuser in der Münchner Innenstadt waren schon lange verkauft worden und die Villa am See, in der sie bis zu Richards Tod mit diesem zusammengelebt hatte, war mit einer so hohen Hypothek belastet, dass das Gebäude eigentlich schon der Bank gehörte. Nur das alte Weingut in Portugal, das Richard vor einigen Jahren erworben hatte, es aber dann nie wieder besuchen wollte, weil er angeblich das Klima nicht vertrug, war übrig geblieben.
Jetzt musste Peter lächeln. Sie war auf ihn angewiesen. Nur wenn er zustimmte, dann konnte das Anwesen verkauft und das Geld unter ihnen aufgeteilt werden. Und Geld, das war das Einzige, das Susanne wirklich interessierte. Sie liebte es. Sie lebte es. Es war die Luft, die sie zum Atmen brauchte. Und jetzt hatte sie ausgerechnet ihn am Hals. Einen Künstler, einen Träumer, dem Geld nicht so wichtig war. Ihr hätte gar nichts Schlimmeres passieren können, als dass ihr zukünftiges Schicksal von einem Idealisten wie ihm abhängig war.

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Zuletzt geändert von Schubert am Do 8. Sep 2005, 20:34, insgesamt 1-mal geändert.

Do 8. Sep 2005, 20:24

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Vielen Dank,

Billy.

Ich habe deinen Kommentar leider erst heute gefunden. Aber besser spät als nie. :wink: :D

Di 13. Sep 2005, 15:53

Also die Fortsetzung finde ich auch nicht übel muss ich schon sagen.

Di 13. Sep 2005, 18:12

Vielen Dank, :oops:

Maxi.

Ich habe die Geschichte so zirka vor einem Jahr geschrieben. Ist aber, bis jetzt, nur halb fertig. Und noch etwas holprig. Der fertige Teil ist natürlich noch länger, aber ich werde vermutlich nichts mehr davon posten können, weil ich vielleicht noch etwas daraus machen will. Und es werden einfach zu viele Ideen im Netz geklaut. Übrigens sind Peter und Susanne von mir erfundene Charaktere und nicht etwa autobiographisch oder so. lol :oops:

LG Schubert

Di 13. Sep 2005, 21:11

Ach, und ich hatte geglaubt, bei Susanne solche autobiografischen Züge von dir zu erkennen. :D

Ok, im Ernst: Was draus machen heisst in deinem Falle tatsächlich publizieren ... so als richtiges Buch zum anfassen? Naja, die Klauerei im Netz ist die eine Sache, aber ich habe früher u. a. intensiv in Newsgroups mitgelesen, in denen Autoren ihre Texte posteten (und es waren wirklich geniale dabei) und dort gab es dann auch ein unheimlich hilfreiches Feedback. Kam mir zumindest so vor.
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