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Monday, June 27, 2005
Living On The Edge
Es war echt ein Traumwetter diesen Samstag in Klissura. Fast windstill, Sonne und strahlend blauer Himmel den ganzen Tag über.
Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis für sie, von der Klissura-Brücke zu springen. Hat sich ihr Leben nach dem ersten Sprung verändert? Kaum. Nur das, dass wann immer sie eine Brücke sieht, denkt sie an Bungee. Das macht wohl süchtig.
Den ersten Sprung empfand sie damals als einen Sprung ins Nichts. Sie hat weder etwas gesehen, noch etwas gefühlt oder sonst einen Eindruck gehabt. Das erste Anschlagen am Endpunkt des Bungees hat sie also regelrecht mental verpasst. Um sie herum war einfach nichts, sie war nichts. Keinen einzigen Gedanken gedacht. Erst als sie das erste Mal zurück katapultiert wurde, hat sie den ersten Gedanken gefasst und konnte sehen, fühlen und nachvollziehen, dass sie an einem Bungee hing und wieder zurückschnellte. 3-4 Mal immer wieder rauf und runter, rauf und runter...
Heute stand sie vor ihrem nächsten Sprung, dem 6. oder 7. Ein 40m Free-Fall von einer 62m hohen Brücke. An der Brücke angekommen kam es ihr fast vor, als würden die paar Minuten Anmeldung und Information wie eine einzige Sekunde vergehen, denn schon nach kurzer Zeit rief man nach ihr. Sie stand auf der Warteplattform. Ein tiefer Schrecken ergriff sie, ihre Muskeln wahren wie gelahmt, das Herzklopfen in ihren Ohren wie betäubend. Ja, eine riesengroße Angst schlich sich in sie ein. Die Nervösität stieg ins Unermessbare, als der Crew sie nochmals rief. Unten waren die Freunde aus dem Vertical World-Club, die ihr freundlich zuwinkten und laut jubelten, um ihr Mut zu machen. Nun stand sie schon auf der Absprungrampe, der Straße, auf welcher es kein Zurück mehr gibt! Die letzte Minute vor dem Jumping... Sicherung rein, Seil fest, Sicherung raus und fertig werden... Sie trat an die Kante. Dann hieß es nur noch: "Nimm die Arme hoch, Körperspannung, Kopf in den Nacken. Ich zähle jetzt bis drei, und bei drei läßt du dich einfach nach vorne fallen."
"Man muss ganz schön bescheuert sein für diesen Stunt...", war ihr letzter Gedanke vor dem Sprung, doch man zählte schon. 1-2-3-Bungeeeeee. Dann flog sie.
Sie wurde schneller und schneller und alles schien um sie herum zu verschwinden. Sie weiß nicht mehr wie lange, aber auf dem Rückweg nach oben schrie sie ihre Freude nur so heraus. Schreien hilft dabei sehr zum vollständigen Erlebnis, mußte sie feststellen. Angst, Anregung, Freude, Adrenalin... einfach der totale Rausch. Sie wurde noch ein zweites und ein drittes Mal zurück nach oben gefedert, dann pendelte sie aus und baumelte noch ein bisschen am Seil hängend, bis sie langsam abgeseilt wurde.
posted by hellymod
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