Sunday, July 10, 2005
Bookcrossing
Heute gibt es in der Welt 374 023 Menschen, die ein eigenes Buch einfach so an öffentlichen Stellen freilassen können – z.B. in Cafes, im Park, im Zug, Bus oder Flugzeug, oder einfach irgendwo anders, wo es von anderen Leuten gefunden werden kann. Diese Leute, Bookcrosser genannt, sind auch dazu bereit, ihre Bücher anderen Gleichgesinnten weltweit zu schicken, nur weil jemand diese Bücher lesen möchte? Bookcrossing (aus dem Englischen: „Stelle, wo die Wege der Bücher sich kreuzen“) ist ein online funktionierender Buchklub. Die Mitglieder dieses Klubs kommentieren, tauschen, suchen, schicken oder lassen ununterbrochen Bücher frei.
Wie funktioniert das eigentlich? Bei der Anmeldung erhält jeder Bookcrosser eine eigene Page, die bookshelf heißt. Dort kann er sich vorstellen und seine Lieblingstitel angeben und selbstverständlich auch die Bücher, die er mit anderen Leseratten weltweit teilen möchte. Wenn ein Buch auf der Seite
http://www.bookcrossing.de/ registriert wird, bekommt es eine BCID (bookcrossing ID). Dieser ID-Nummer folgend könnte man dem weiteren Schicksal des Buches nachgehen.
Die Bookcrossers lassen gern ihre Bücher frei. Mit einer entsprechenden Beschriftung, einer Erkärung sowie mit der BCID versehen, werden die Bücher an öffentlichen Stellen gelassen, wo eine relativ große Wahrscheinlichkeit besteht, von anderen Interessenten gefunden zu werden. Das nennt sich eben wild release. Wenn das Buch von jemandem gefunden wird, so nimmt man an, dass der neue Leser brav sein wird und auf die Seite kommt, um sich selber und das Buch zu registrieren. So weiß der ehemalige Besitzer, dass sein Buch schon ein neues Zuhause gefunden hat.
Bookrings, bookrays, bookboxes und booktrade sind bei den Bookcrosses auch sehr beliebt.
Beim bookring handelt es sich um ein Buch, an dem mehrere Bookcrossers interessiert sind. Das Buch kommt bei ihnen an, wird gelesen und danach wieder weiter verschickt. Schließlich kehrt das Buch zu seinem Besitzer wieder zurück. Das Porto wird immer vom Absender bezahlt.
Bei bookrays geht es im Großen und Ganzen um dasselbe, nur dass das Buch nicht zu seinem ursrünglichen Besitzer zurückkehrt, sondert weiterreist, solange Interesse am Lesen besteht. Am Schluß wird es meistens wieder freigelassen.
Ein Bookbox ist ein Paket von mindestens 3 Büchern von ein und derselben Gattung. Dieses Paket reist ebenso von Bookcrosser zu Bookcrosser, und jeder von ihnen darf beliebig viele Bücher aus dem Paket mit eigenen ersetzen. Booktrade ist das Tauschen von Büchern zwischen Bookcrossers.
Der BC ist eine Art Hobby. Aber nur eine Leseratte zu sein, reicht dabei doch nicht. Es ist wichtig, dass man Lust und Spaß daran hat und es mitmachen möchte.
Ich denke, der BC ist eine sehr schöne Idee. Wenn ich jetzt auf meine Bücherschränke schaue, stelle ich fest, dass eine ganze Menge Bücher da liegen, die ich mit Sicherheit nie mehr lesen möchte. Einige davon finde ich sogar gar nicht interessant; andere dagegen doch, aber das Vergnügen dabei war sehr schnell vergänglich, nur solange das Lesen dauerte. Ich weiß doch, dass ich diese Bücher nie wieder lesen würde. Warum nicht, sie einfach freilassen, da wo sie neue Leser finden könnten? Warum nicht, sie sogar durch die Welt reisen lassen, wo sie bestimmt mehr Leser erreichen sollten? Das Freilassen von Büchern ist sicher ein Abenteuer, und es lohnt sich bestimmt, erlebt zu werden. Die Auswahl eines passenden Platzes, wo das Buch gelassen wird, das Versehen mit den entsprechenden Zeichen, damit man merken kann, dass es nicht verloren wurde, das Lauern auf den passenden Moment, damit man es so lassen kann, dass es nicht gleich auffällt, dann die Erwartung, ob jemand es findet und auf der Seite registriert? Werde ich je erfahren, an wen das Buch gelang? usw. Der BC ist die beste Möglichkeit, eine ganze Menge interessanter Bücher zu entdecken, Autoren kennen zu lernen, die man noch nie gelesen hat.
Ich würde BC gerne mitmachen.
Und ihr?
posted by hellymod