Die Community für alle mit Spaß am Lesen und Schreiben.
Gemeinsam - schreiben wir ein Tagebuch. Mit Geschichten, Gedanken, Briefen, Humor, Satire, aber auch mit Ernsthaftigkeit oder Traurigkeit. Jeder, der möchte, der etwas zu sagen hat oder dem einfach nur langweilig ist, kann mitschreiben. Hinterlasst euren Beitrag einfach als Kommentar oder schickt ihn per Email an uns. Euer Locus Pocus - Kultur in Europa Team.
& "Locus auf Reisen"
... die "LOCUS-Außenkorrespondenten" berichten ...
Also - ich habe eben noch mal in unserem alten Locus Pocus Blog gelesen und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es vielleicht für den einen oder anderen interessant sein könnte, wenn er die alten Sachen auch hier finden kann. Und weil mir gerade langweilig ist, da habe ich mir gedacht, dass ich mal anfange und die Sachen kopiere.
Vielleicht kann Billy dieses Thema ja auch oben in dieser Rubrik festklammern, damit man es besser findet.
Zuletzt geändert von Schubert am So 16. Okt 2005, 16:00, insgesamt 2-mal geändert.
Wednesday, June 15, 2005
Ein herzliches Willkommen!
Also - noch mal herzlich willkommen zusammen. Billy meinte, ich solle doch ein paar einführende Worte schreiben. Nun, ich finde es sehr schön, dass die Idee mit unserem gemeinsamen Blog jetzt Wirklichkeit geworden ist und ich freue mich auf all die neuen Gedanken, Eindrücke und Durchgeknalltheiten, die hoffentlich hier bald zu lesen sein werden. Ob wir dem Anspruch - Kultur in Europa - überhaupt gerecht werden können, habe ich mir dann überlegt. Und ich kam zu keinem Ergebnis. Und wie immer, wenn ich durch Nachdenken zu keinem Ergebnis komme, da habe ich zu mir gesagt: Einfach anfangen und nicht so viel nachdenken! Und das möchte ich auch allen anderen hier mit auf den Weg geben. Macht euch keinen Kopf und schreibt drauf los. Wichtig ist nur, dass es euch selbst interessiert oder auf der Zunge brennt oder Freude macht, was ihr schreibt. Also - in diesem Sinne, da wünsche ich allen viel Spaß. Den einen beim Schreiben und den anderen beim Lesen. - Gott, war das spießig. Das war mit Sicherheit meine letzte Ansprache. LOL
Friday, June 17, 2005
Die Diktatur der Frühaufsteher
Eigentlich bin ich ja viel zu müde um hier etwas zu schreiben. Und das kam so:
Gerade wollte ich die tolle Prinzessin von ihrem schrecklichen Schicksal erlösen als die hupende Hexe auf ihrem Cabrio-Besen uns störte. Das Schloss, die Prinzessin, die Hexe - alles verschwand und zurück bleibt nur dieser furchtbare Hupton ...
Wo bitteschön ist Amnesty International, wenn man sie braucht?!! Weiß man nicht spätestens seit den neuesten Skandalen um Guantanamo und Abu Ghraib, dass Folter und derlei Instrumente verboten sind??? Naja, zum Glück genügt ein Schlag auf den Wecker um ihn abzustellen. Wie jeden Morgen liege ich völlig verschreckt und paradoxerweise genauso müde herum und warte. Darauf, dass ich wach werde. Aber wie jeden Morgen vergebens. Außerdem bin ich nun sicherlich taub.
Einziger Trost, dass mein Wecker kein Radio ist und einen ewig gutgelaunten Moderator sein "Guten Moooorgen, die Sonne scheint!" in meine armen Ohren brüllen lässt. Also freue ich mich über diese glückliche Fügung und schäle mich aus dem Bett. Durch das offene Fenster und am Grauschleier vor meinen Augen vorbei kann ich erkennen: Die Sonne scheint tatsächlich. Ich kann auch wieder hören! Und zwar meine Nachbarin Frau Hubschmidt, die einer unsichtbaren Person erklärt, was sie an diesem Morgen schon alles angestellt hat. "Ja, was soll ich denn tun, wenn ich seit fünf kein Auge mehr zubekommen habe!" - Gut, dass ich keine Waffe besitze. Und der Frau ein Buch aus meinem Regal an den Kopf zu werfen, bringe ich nicht übers Herz. Wegen dem Buch. Und weil mir noch der Elan fehlt.
Frau Hubschmidt ist plötzlich in Eile, weil der Supermarkt gleich öffnet. Die Öffnungszeit des Marktes ist auch mein Arbeitsbeginn. Ich stürze ins Bad ...
Die erste Ladung Zahnpasta geht an der Bürste vorbei ins Waschbecken. Wenn ich doch nur diese verdammten Augen aufbekommen würde!
Minuten später lasse ich in höchster Eile die Wohnungstür hinter mir. Ich bin nicht wirklich beunruhigt, denn bis hierher ist es Routine ... bis ich zwei Treppenstufen später vor Frau Bosemann stehe, die gerade hingebungsvoll die Treppe mit einem Lappen traktiert. Sicher war sie extra zeitig aufgestanden, damit sie - wie alle Rentnerinnen - vor Sonnenaufgang mit der Hausarbeit fertig ist. Pech gehabt, die Sonne scheint aber schon!
Nachdem ich wartend ihr am liebsten schon fünfmal auf die Finger getreten wäre, lässt sie mich endlich vorbei. Ein imaginärer Sekundenzeiger beginnt an meine Stirn zu klopfen ... tick .... tack ... und ich laufe Frau Hubschmidt in die Arme, deren unsichtbarer Gesprächspartner verschwunden ist, ohne mit ihr über den frühmorgendlichen Sonnenschein zu plaudern. Aaaaah, ein paar endlose Minuten sonnigen Smalltalks später donnert es wieder an meine Stirn ... tick und tack und weiter gehts.
Vor dem Supermarkt steht die allmorgendliche Schar schlafloser Einkaufswilliger und wartet auf Einlass. Wie ungerecht ist diese Welt!?? Wenn ich mal Rentner bin, werde ich mich extra auch so früh da hinstellen! Jawohl, und allen zeigen: Tja, ich könnte weiterschlafen, wenn ich wollte - schaut her! Aber ich will nicht, haha!
In der letzten Sekunde schaffe ich es, auf der Arbeit meine Karte in die Stechuhr zu drücken und höre wie eine Kollegin zur anderen sagt: "Sag mal, konntest du heut morgen auch nicht mehr schlafen? Ich hab schon meine ganze Wäsche gemacht heut früh."
(Falls jemandem das Thema bekannt vorkommt, ich hatte schon einmal eine ähnliche Story geschrieben im alten Locus, der damals im Online-Nirvana verschwunden ist.)
Ich hab den Blues. Erst Juni und schon fast 38°C. Das kann ja heiter werden. Jedes Jahr der selbe Mist. Hitze, Hitze, Hitze! Und diesen Sommer soll es besonders schlimm werden: Weil es nicht geregnet hat im Winter, sagt der Bauer von nebenan. Na dann, vielen Dank - aber auch. Letztes Jahr hatten wir hier in Portugal Tage, da waren es am Mittag 45°C. Wie heiß soll es denn noch werden? 50°C - vielleicht? Das hat ja alles nichts mehr mit Sommer zu tun. Das ist eine Hölle. Tag und Nacht ist man nassgeschwitzt, kann kaum noch etwas essen und muss 5 Liter Wasser am Tag trinken. Ich bin nur froh, dass die Touristen auch mal merken, dass es kein Honigschlecken ist, wenn man immer in so einer Hitze leben muss. Ha, wenn ihnen dann der Kopf knallrot anläuft und sie kurz vor dem Hitzschlag stehen, dann vergeht ihnen dieses ewige: >>Sie haben es aber gut, bei Ihnen scheint immer die Sonne.<< Jaha, und wie sie scheint. Das hat sie raus, das - mit dem Scheinen, die scheiß Sonne. Und sie setzt Mensch und Tier kräftig zu. Den alten Leuten, in ihren einfachen Häuschen ohne Isolierung, die sich kaum noch rühren können, aber trotzdem zum weit entfernten Brunnen laufen müssen, um sich Wasser zu holen. Oder den Tieren, die nirgendwo mehr Wasser und Futter finden und abgemagert auf glühendheißen Feldern dahinvegetieren. Aber wenigstens gibt es noch die Touristen, die in ihren Badehöschen vor einem stehen, mit Sonnenbrand im Gesicht, und einem erklären, dass es doch eigentlich gar nicht so heiß sei und sie schon Schlimmeres erlebt hätten. Na dann.
Sunday, June 19, 2005
Crazy Stories aus dem Krankenhaus
Nur noch 2 Tage bis zum Geburtstag vom Oberarzt unserer Station, es ist sein 35er. Und meine Kollegin und ich überlegten fieberhaft was wir machen.Zur Zeit hat er sehr gute Laune und das könnte ein Vorteil für uns sein um etwas verrücktes zu machen.
Gesagt ,getan und wir verabredeten uns zur Shopping - Tour. Sämtliche Läden haben wir durchstöbert aber das Richtige war noch nicht dabei und als wir eine Pause machten auf einer Parkbank da schauten wir an ein Geschäft und es überkam uns beide der Geistesblitz......Gegenüber leuchtete mit roten Buchstaben der Name Beate Uhse.
Wir grinsten uns an und gingen mit dem Gedanken ein Scherzartikel muß her in den Laden.
Nach gut einer Stunde hatten wir endlich das was wir gesucht haben..ein Lederstring mit Nieten , nur mal nebenher bemerkt unser Oberarzt ist nun wirklich kein Adonis,aber die Vorstellung allein ließ uns zu einem Gelächter hinreissen.Aber das allein reichte uns nicht und wir kauften noch Kondome, einen Karton Feiglinge und Zigaretten dazu.Als Oberknüller sollte ein Riesenposter von unserem Oberarzt und einer Ärztin unserer Station sein,schließlich wurde den beiden ein Verhältnis nachgesagt.
Am nächsten Tag ging es ans einpacken der schönen Dinge und wir bastelten ein nettes Paket.In die Mitte kam das "nette Höschen" drumherum die Feiglinge und die Kondome.Die Zigaretten ließen wir in einen Blumenstrauß einbinden und das Poster nagelten wir gleich mal spontan an die Wand.
Zusätzlich noch Luftballone und ein nettes Plakat an die Außentür des Arztzimmers mit den besten Wünschen.
Der Tag war endlich gekommen und meine Kollegin und ich waren aufgeregt wie nie zuvor.....Wie wird er reagieren und ob er es ahnt von wem das alles ist???
Die Tür ging auf und dann kam er,grüßte und blieb vor der Arztzimmertür stehen und grinste...dann verschwand er im Zimmer.
Die Minuten vergingen kaum und als er endlich wieder rauskaum steuerte er auf uns zu...Er nahm uns an die Seite und bedankte sich für die Überraschung,drehte sich um und ging.Das wars wohl fragten wir uns und schauten uns fragend an...Dann drehte er sich um und grinste breit,zwinkerte und sagte " Die Einladung zur Modenschau kommt höchstpersönlich....".....
Nun darauf warten wir zwar noch heute , aber eins ist gewiß diesen Geburtstag haben wir alle drei nicht vergessen und schmunzeln noch heute.
Der erste Blick. Trübe. Wie verschleiert. Noch nicht ganz da. Blinzeln in diese Helligkeit. Halb noch im Traum verwurzelt. Bestandsaufnahme: wo bin ich, was muss ich tun, was hab ich getan, die übliche Liste. Jeden Morgen dieselbe Leier. Dann die Überwindung. Das Aufstehen. Man schleppt sich ins Badezimmer. Dort kann man erst einmal aufatmen. Noch ein wenig ruhen, bevor der Alltag einen in den Strudel der Aktivität zieht. Im Badezimmer ist die Welt noch in Ordnung. Im Badezimmer ist man allein und ungestört. Meistens zumindest. Unter der Dusche. In der warmen Fülle des Wassers, im schützenden Nass, das einen einhüllt und von der kalten hektischen Welt nichts ahnen lässt. Hinaus tritt man als neuer Mensch. Nein, genauer gesagt lediglich nur als MENSCH, der man zuvor gefühlsmäßig noch nicht war. Danach geht das Anziehen wie von selbst. Frühstück. Genießen muss man so was. Schließlich ist es die letzte Station, bevor man sich in den Tag hinein stürzt. Ein angenehm fließender Übergang - so ein Frühstück. Der Geschmack von frischem Brot und Butter auf der Zunge, der dampfende Tee... Ein Traum. Dazu leise Hintergrundmusik, die den Traum von heute Nacht fortführt. Hmmm...
Der Wecker klingelt. Raus. Duschen. Sachen packen. Kurzer Blick in die Zeitung. Aha. Informationen angekommen. Raus. Ins Auto. Musik an. Los geht’s. Vollbremsen. Fluchen. Lebensmüder Fußgänger. Ampel rot. Wieder bremsen. Blick auf die Uhr.
Zufällig streift man dann doch die Uhr mit dem Blick. Waasss? Schon so spät. Naja, schaff ich schon noch. Der Chef wird schon nicht meckern wegen ein paar Minuten. Dafür bleib ich heute Abend einfach ein wenig länger. Nur kein Stress. Noch mal strecken.
Tasche gepackt. Welche Schuhe? Die hier? Nein, die. Genau. Die Bequemen.
Endlich da. Mistiger Berufsverkehr. Dieses zähe Umherfahren. Parklücke endlich entdeckt. Der Rote da dummerweise auch. Aber ich war schneller. Tja, der frühe Vogel. Schließlich bin ich eine Dame. Leises Kichern ins Fäustchen. Lady´s first, thanks at last. Jetzt aber breites Grinsen. Hand für jeden Fall heben. Nett von dem Roten, mich reinzulassen. Warum flucht er denn so? Ist schon ganz rot im Gesicht. Rein ins Gebäude. Unsere FInanzleiterin grad entgegen. „Morgen Frau Todorova!“ Nicken. Auf zum Schreibtisch. Erstmal die Post.
Ähhm, die Post! Ganz vergessen! Schnell noch Briefkastendeckel gehoben. Voll Reklamen und zwei Mahnungen der Bibliothek des Goethe-Instituts. Na wunderbar! Dass die auch immer so termingenau waren! Schrecklich! Man kann sich das Leben auch schwer machen! Tür fällt ins Schloss. Schlüssel verstauen. Mist, jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen.
Wenn ich mich beeile, kann ich heute vielleicht etwas früher gehen! Vorfreude. Der Tag lief besser als geplant.
Der Tag war zum Scheitern verurteilt. Ganz sicher. Mürrisches Loslaufen. Bremsen quietschen. Scheiße, das Auto! Erschrockener Blickwechsel mit dem Fahrer. Verdammt! Wäre ich doch im Bett geblieben! Auto wieder weg. Schock noch da. Kopfschütteln, als ob es dadurch besser würde. Weiterlaufen. Diese verdammte Zeit! Warum verging sie immer viel zu schnell....
Endlich angekommen. Durchgeschwitzt. Außer Atem. Stress ist ungesund. Soll schon Menschen umgebracht haben. Schnaufend Büro erreicht.
Ich ging heute ein wenig durch die stadt. Und.. ob ich wollte oder nicht, traf ich personen, dich ich eigentlich nicht unbedingt sehen wollte.. ein großes „hallo“ hier und da... naja.. es wurde so einiges geredet. Dann die frage: „hattest du urlaub? Du siehst so gut erholt aus!“
---dass ich schon ewig keinen urlaub mehr hatte und die letzte zeit dauernd krank war, verschwieg ich--- und sagte nur...“ oh.. wirklich..hmmm.. kann sein... „
dann begegnete mir eine freundin meiner mutter.. na toll, dachte ich mir.. denn.. ich mag diese person einfach nicht.. naja.. auf jeden fall die frage: „ mensch.. du siehst aber gut aus im moment. Hast du wieder etwas zugenommen?“
---dass ich im moment wieder das gegenteilige davon erreicht hatte, liess ich mal ungesagt--- und sagte nur... „ja.. vielleicht .. ein wenig..“
weiter begegnete mir eine freundin von damals.. die frage von ihr: „mensch.. hast du dir die haare gefärbt? Sieht echt gut aus!“ ---dass ich schon seit ewigkeiten so aussah, sagte ich ihr nicht--- und erwiderte nur... „ach..sieht man das so doll?“
meine mutter sah ich auch kurz. Die frage von ihr... „warum trägst du heute keine ohrringe? Das sah immer so gut bei dir aus!“ ---dass ich keine mehr trage, seitdem ich 9 jahre alt bin, wollte ich ihr nicht vorhalten--- und sagte darum nur... „ach weißt du, ich finde so ohne sieht es einfach schöner aus...“
als ich dann zu hause war.. fragte ich mich ernsthaft, wie weit sich leute etwas einbilden, damit sie irgendeine frage stellen können, wenn man ihnen seit langer zeit einmal wieder begegnet und sie nicht unhöflich oder desinteressiert wirken wollen...
Als ich vor Jahren das erste Mal an die Ost-Algarve kam, da war alles noch sehr rückständig und - im wahrsten Sinne des Wortes - ursprünglich. In den Straßen waren so tiefe Löcher, dass man dauernd irgendwo stolperte. Und wenn man einen Stadtbummel machte, dann konnte man sich gar nicht auf das Ambiente ringsherum konzentrieren, weil man immer auf seine Füße gucken musste, damit man nicht in ein Loch oder in einen Hundehaufen getreten ist. Es gab damals viele herrenlose Hunde, die in der Stadt, auf der Suche nach Futter, umherstreiften. Wenn man sich in ein Straßencafé gesetzt hatte, dann wurde man sofort von einem Rudel Promenadenmischlinge umkreist, die auch etwas vom Mittagessen abhaben wollten und man hatte bei jedem Bissen, den man sich in den Mund steckte, ein schlechtes Gewissen. Das war ganz und gar nicht mein Fall. -> Und das - mit den Hunden, meine lieben Portugiesen, das vergesse ich euch auch nicht so schnell, da könnt ihr heute noch so tolle Autos fahren und mit dem Touristengeld auf Chic und Charity machen, wenn’s damals nach euch gegangen wäre ... . Na ja, ich denke, dass letztendlich jeder Ausländer, der nach Portugal gezogen ist, mindestens einen Straßenköter bei sich aufgenommen hat. Jedenfalls liegen bei mir im Garten ein paar äußerst faule, fette und zufriedene Exemplare herum. <- Aber, wo war ich? ... Ja, genau. ... In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Ob nun zum Positiven? Das weiß ich auch nicht. Alles ist herausgeputzt, die Straßen sind neu gepflastert, es sind fast keine Hunde mehr zu sehen und die Straßenkehrer sind im Dauereinsatz. An manchen Stellen könnte man schon meinen, man wäre an der Côte d’Azur gelandet und nicht in Portugal. Hingegen andere kleine und liebevolle Veränderung, die finde ich dann wieder wirklich schön. Wie man auf den Fotos sieht.
Thursday, June 23, 2005
EU - Jede Kuh erhält 2 Euro am Tag
40 Prozent der Ausgaben gehen in die Agrarpolitik, wo weniger als fünf Prozent der Bevölkerung arbeiten – dieser Haushalt wird weder den Bedürfnissen der Bürger noch den Herausforderungen Europas gerecht. (Zitat von Tony Blair aus seinem Bild - Interview.)
Kein Geld mehr für Kühe und Oliven, fordert Tony Blair. Schade, dass man immer dann erst schlauer wird, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Warum hat denn vorher nicht mal jemand auf den Tisch gehauen und hat den Wahnsinn in Frage gestellt? Da wird Bauern Geld dafür gezahlt, dass sie ihre Felder nicht bestellen oder dass sie keine Kühe haben. Wer berät denn eigentlich die Herren in Brüssel? Hans Christian Andersen? Und als Handbuch dient dann wahrscheinlich das Märchen: Des Kaisers Neue Kleider. Das Schlimme daran ist, dass einem die Menschen Leid tun. Erst macht man sie abhängig von den Subventionen, so dass sie gar nicht mehr auf eigenen Füßen stehen können und dann nimmt man ihnen die Lebensgrundlage wieder weg, weil man es sich nicht mehr leisten kann oder will. Ich finde nicht, dass viel Verstand dazu gehört hätte, schon vor Jahren zu erkennen, dass das Ganze eine Milchmädchenrechnung ist.
Aber wo wir gerade beim Thema Märchen sind. Ich kenn auch eines. Es war einmal in einem kleinen Land im Süden Europas. Da hat man den Orangenanbau subventioniert, indem man jedem, der Orangen anpflanzen wollte, einen Tiefbrunnen für einige Tausend Euro bezahlt hat. Und in einem Land, in dem es nur eine unzureichende öffentliche Wasserversorgung gibt, da ist so ein eigener Brunnen nicht schlecht. Also hat jeder, der ein Stück Land besaß, Orangen gepflanzt. Wobei der Gewinn nach Abzug der Unkosten bei Saftorangen ... na ja ... ich weiß nicht genau, irgendwo bei minus irgendwas liegt. Jetzt ist es natürlich so, wenn jeder, der Orangen wegen des Brunnens gepflanzt hat, diese auch immer schön bewässert, auch wenn er eigentlich nichts daran verdient, dann sinkt der Grundwasserspiegel in trockenen Jahren drastisch ab. Also muss das Wasser dann von wo anders kommen. Z.B. von neuen Staudämmen und Überlandrohrleitungen. Und wer finanziert nun diese Stauseen, und den ganzen Pipapo? Mmmhhh ... mal überlegen...
Diese Woche war ich bei einer Autoren-Buchlesung. Seit ich meine Fibel in der ersten Klasse durchgelesen hatte bin ich
eigentlich ein Fan vom selber lesen und gehe deshalb zu keiner derartigen Veranstaltung. Aber dieses Mal lagen die Dinge anders: Ich war der Organisator.
Außerdem spielte der Locus bei der ganzen Geschichte eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Unsere hiesige Stadtbücherei wird derzeit nur von Urlaubs- und Krankheitsvertretungen am Laufen gehalten, deren eine ich bin.
Justament zum Zeitpunkt als auch die restlichen Vertretungen im Urlaub oder krank waren, klingelte das Telefon und ich bekam das Angebot einer kostenlosen Autorenlesung im Rahmen der "Thüringer Literaturtage". In Zeiten klammer Kassen, deren erste Leidtragende ja immer die kulturellen Angebote sind, sagt man da nicht nein - selbst wenn Boris Becker zum vorlesen gekommen wäre. Und so saß ich im Boot.
Das Thema des Buches versprach viel Kurzweil, beschäftigte sich doch der Autor anhand amüsanter Geschichten mit einer selbst erstellten roten Liste von Gegenständen, die vom Aussterben bedroht sind und die von den älteren Generationen bis in meine hinein noch erlebt wurden. Entsprechend war auch dann die altersmäßige Zusammensetzung des Auditoriums. Der Fahrstuhl im Hause - sonst eher ein Stehstuhl, da er nur über eine Etage geht - wurde eifrigst genutzt.
Für mich war die Veranstaltung der Abschluss eines sogenannten "Scheilado" - so werden bei uns die "Scheisslangen Donnerstage" abgekürzt, an denen von 8 - 18 Uhr Kernarbeitszeit ist. Um 18 Uhr trällerte es im ganzen Haus "Schönen Feierabend! ... Bis morgen dann ..." Nur ich blieb allein zurück, und es wurde still.... Trotz eifrig gerührter Werbetrommel blieb die bange Frage: Wer kommt donnerstags 19 Uhr bei Hochsommerwetter zu einer Buchlesung? Ich sage nur: Wenn ich die freie Wahl gehabt hätte ..... nunja .... Der von mir auserkorene Saal fasst jedenfalls 100 Leute.
Der Autor (im richtigen Leben Journalist bei einer großen Thüringer Zeitung) traf als erster ein und im Geiste sah ich ihn in dem riesigen Saal vor fünf Leuten .... Aber nach einiger Zeit kamen tatsächlich einige Interessierte, die meiner heimlichen Dankbarkeit gewiss sein konnten. Am Ende war der Saal zu 21 Prozent gefüllt.
Der Teppichklopfer war Star der ersten Story, die von den Zuhörern noch mit zurückhaltendem Interesse verfolgt wurde, doch schon die Zinkbadewanne und das Leibchen waren Grund für verstohlenes Kichern und eine ältere Dame wusste sogar noch über die Reihenfolge zu berichten, in der sie, ihre Eltern und Geschwister eine Füllung besagter Badewanne mehr oder weniger gesäubert verließen. Bei der Plumpsklo-Geschichte gab es dann kein Halten mehr und es wurde herzhaft gelacht ... der Autor gebrauchte mehrfach den Begriff "Locus", was mich auf die Idee brachte hier über diese Lesung zu berichten.
Zum Schluss konnte man noch das vorgestellte Buch inklusive Widmung erwerben. Ich ließ den Gästen den Vortritt und beschloss, ebenfalls ein solches Büchlein meinem Regal daheim einzuverleiben als noch zwei Leute vor dem mit drei Buchexemplaren bestückten Verkaufstisch standen. Aber es kam, wie es immer kommt, so dass ich die Käuferin vor mir sagen hörte: Mir bitte zwei, ich möchte eins verschenken."
Na wenigstens hatte ich ja etwas daraus vorgelesen bekommen!